Markgraf Rudrigez kommt und sieht die Not auf beiden Seiten. Ihm wird vorgeworfen, dass er für Land und Leute, die er vom König habe, noch keinen Schlag in diesem Streite geschlagen. Etzel und Kriemhild flehen ihn fussfällig um Hilfe. Jener will ihn zum Könige neben sich erheben; diese mahnt ihn des Eides, dass er all ihr Leid rächen wolle. Was Rudrigez lässt oder beginnt, so tut er übel. Er hat die Burgunden hergeleitet, sie in seinem Hause bewirtet, seine Tochter, seine Gabe ihnen gegeben. Land und Burgen, was er vom Könige hat, heisst er wiedernehmen und will zu Fuss ins Elend gehen. Doch er muss leisten, was er gelobt, steht auch Seel' und Leib auf der Wage. Weib und Kind befiehlt er den Gebietern und heisst seine Mannen sich rüsten. Kriemhild ist freudenvoll und weint. Als Giselher den Schwäher mit seiner Schar daherkommen sieht, freut er sich der vermeinten Freundeshilfe. Rudrigez aber stellt den Schild vor die Füsse und sagt den Burgunden die Freundschaft auf. Umsonst mahnen sie in aller Lieb' und Treue. Er wünscht, dass sie am Rheine wären und er mit Ehren tot; aber den Streit kann niemand scheiden. Schon heben sie die Schilde, da verlangt Hagen noch eines. Der Schild, den ihm Frau Gotelind gegeben, ist ihm vor der Hand zerhauen; er bittet Rudrigez um den seinigen. Rudrigez gibt den Schild hin, es ist die letzte Gabe, die der milde Markgraf geboten. Manches Auge wird von heissen Tränen rot, und wie grimmig Hagen ist, erbarmt ihn doch die Gabe. Er und sein Geselle Volker geloben, Rudrigez nicht im Streite zu berühren. Hinan springt Rudrigez mit den Seinen; sie werden in den Saal gelassen, schrecklich klingen drin die Schwerter. Da sieht Gernot, wie viel seiner Helden der Markgraf erschlagen, und springt zum Kampfe mit diesem. Schon hat er selbst die Todeswunde empfangen, da führt er noch auf Rudrigez den Todesstreich mit dem Schwerte, das der ihm gegeben. Tot fallen beide nieder, einer von des andern Hand. Die Burgunden üben grimmige Rache, nicht einer von Rudrigez Mannen bleibt am Leben.

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